
Heute ist ein Tag des Erinnerns.
Ein Tag, an dem wir innehalten und an all die Menschen denken, die wir verloren haben. Menschen, die an den Folgen ihrer Suchterkrankung verstorben sind. Menschen, die viel mehr waren als ihre Abhängigkeit.
Im Jahr 2025 sind in Deutschland 2.150 Menschen an den Folgen ihres Drogenkonsums verstorben.
2.150 Menschen.
2.150 Geschichten.
2.150 Leben, die viel zu früh geendet haben.
Für viele sind es nur Zahlen. Für uns sind es Gesichter, Namen und Erinnerungen.
Auch wir haben in den vergangenen Jahren viele unserer Klientinnen und Klienten verloren. Manche haben wir über Jahre begleitet. Wir haben gemeinsam gelacht, gemeinsam gehofft und manchmal auch gemeinsam gekämpft. Wir haben erlebt, wie Menschen den Weg zurück ins Leben gefunden haben. Aber wir mussten auch erleben, wie andere diesen Kampf verloren haben.
Jeder einzelne Tod geht uns nahe.
Jeder Mensch hinterlässt eine Lücke.
Und jeder Verlust erinnert uns daran, wie zerbrechlich das Leben sein kann.
Was viele vergessen ist, dass hinter einer Suchterkrankung fast immer schwere Schicksale stehen. Traumata. Gewalt. Psychische Erkrankungen. Einsamkeit. Armut. Der Verlust von Familie. Der Verlust von Hoffnung.
Niemand entscheidet sich dafür, abhängig zu werden.
Deshalb schmerzt es besonders, wenn diese Menschen auf ihre Erkrankung reduziert werden und abwertend als “Junkies” bezeichnet werden. Niemand würde einen Menschen mit Krebs oder einer Herzerkrankung auf seine Krankheit reduzieren. Warum tun wir es bei einer Suchterkrankung?
Immer wieder wird über Drogenkonsumräume diskutiert. Auch in München. Bis heute gibt es sie nicht, weil die Bayerische Staatsregierung ihre Einführung ablehnt.
Dabei zeigen Erfahrungen aus vielen Städten seit Jahren, dass Drogenkonsumräume Leben retten.
Sie führen nicht dazu, dass mehr Menschen Drogen konsumieren.
Sie verleiten niemanden dazu, abhängig zu werden.
Sie schaffen einen Ort, an dem Überdosierungen verhindert werden können. Sie ermöglichen medizinische Hilfe im entscheidenden Moment. Sie verhindern Infektionen. Sie schaffen Vertrauen. Und oft sind sie der erste Schritt in Beratung, Therapie und ein Leben ohne Sucht.
Vor allem aber geben sie Menschen die Chance, den nächsten Tag überhaupt noch zu erleben.
Denn nur wer lebt, hat die Möglichkeit, Hilfe anzunehmen.
Nur wer lebt, hat die Chance, einen Ausstieg zu schaffen.
Jeder Mensch, der nicht an einer Überdosierung stirbt, ist ein Mensch, der morgen vielleicht den Mut findet, sein Leben zu verändern.
Wir erleben Woche für Woche, wie wertvoll jede einzelne Begegnung ist. Wir sehen nicht die Suchterkrankung. Wir sehen den Menschen. Einen Menschen mit einer Geschichte. Mit Ängsten. Mit Hoffnungen. Mit Fähigkeiten. Mit dem Wunsch nach einem besseren Leben.
Heute denken wir an all jene, die diesen Weg nicht mehr gehen können.
Ihr fehlt.
Ihr seid nicht vergessen.
Und wir werden euren Namen und eure Geschichten weiter in unseren Herzen tragen.
Lasst uns endlich anfangen, weniger zu verurteilen und mehr hinzusehen.
Lasst uns aufhören, Menschen auf ihre Sucht zu reduzieren.
Lasst uns darüber sprechen, wie wir Leben retten können.
Denn jeder Mensch ist es wert.
Jeder einzelne.
In stillem Gedenken an alle Menschen, die wir verloren haben.
Euer Team von Aktion Brücke
