
…der zu faul zum Arbeiten ist.“
„Der Penner versäuft doch sowieso sein ganzes Geld.“
Sätze wie diese hören wir oft. Auf der Straße, im Alltag, manchmal sogar im professionellen Kontext. Worte, die stempeln. Abwerten. Vereinfachen.
Vorurteile! Ohne hinter die Fassade gesehen zu haben, ohne die Hintergründe zu kennen.
Menschen mit Suchterkrankungen sind eine der am stärksten vorurteilsbelasteten Gruppen in unserer Gesellschaft. Viel zu oft begegnet ihnen Ablehnung statt Verständnis und Misstrauen statt Mitgefühl.
Dabei steht hinter jeder Sucht eine Geschichte. Manchmal ein Trauma. Manchmal Einsamkeit. Manchmal psychische Krankheit. Manchmal einfach ein Leben, das zu schwer wurde.
Wir begegnen in unserer Arbeit vielen Menschen mit Suchterfahrung. Und was sie brauchen, ist nicht unser Urteil, sondern unsere Haltung. Unsere Aufmerksamkeit. Unsere Bereitschaft, hinter die Fassade zu schauen.
Sprache spielt dabei eine entscheidende Rolle. Sie kann Türen öffnen – oder zuschlagen. Wenn wir von „einem Menschen mit Suchterkrankung“ sprechen, machen wir deutlich: Die Sucht ist ein Teil seiner Geschichte, aber niemals sein ganzes Wesen.
Für uns steht fest: Wir sehen es als unsere Pflicht, gerade für diese Menschen einzustehen. Mit Respekt, mit Aufklärung und mit einem klaren JA zur Menschlichkeit. Wir wissen, dass unsere Arbeit manchmal polarisiert. Dass nicht alle nachvollziehen können, warum wir uns für diese „Junkies“ so engagieren. Aber für uns zählt nicht, was jemand getan hat. Für uns stehen am Ende immer der Mensch und seine Geschichte im Vordergrund.
Wir geben Essen, Kleidung, Schlafsäcke. Aber vor allem versuchen wir, Würde zu bewahren und zu reintegrieren. Oft beginnt das mit einem Gespräch. Mit einem Blick auf Augenhöhe. Mit einem Wort, das nicht verletzt, sondern verbindet.
Denn Würde ist kein Zustand. Sie ist eine Haltung. Und Sprache ist der erste Schritt dorthin.
Danke für Eure Aufmerksamkeit!
