
Der vergangene Sonntag war für uns ein ganz besonderer und auch emotionaler Tourentag. Nach fünf Jahren fand unsere letzte Ausgabe im Nußbaumpark statt.
Vor rund zwei Wochen waren wir gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der Landeshauptstadt München und des Kreisverwaltungsreferats zu einem runden Tisch eingeladen. Thema war die aktuelle Situation im und rund um den Nußbaumpark, die viele von euch sicherlich auch durch die Berichterstattung der vergangenen Wochen verfolgt haben.
Uns wurde dabei mitgeteilt, dass die Stadt München aufgrund der bestehenden Situation umfangreiche Maßnahmen rund um den Brennpunkt Nußbaumpark plant. Dazu gehören unter anderem verstärkte Kontrollen und weitere Maßnahmen vor Ort. Im Zuge dieser Veränderungen kann auch unsere bisherige Ausgabestelle im Nußbaumpark künftig nicht mehr fortgeführt werden.
Wir haben Verständnis dafür, dass die Situation vor Ort für Anwohnerinnen und Anwohner, Geschäftsbetreibende, Passanten und andere Nutzerinnen und Nutzer des Parks seit langer Zeit eine große Herausforderung darstellt.
Gleichzeitig wissen wir aber auch, dass die dortige Szene nicht erst gestern entstanden ist, sondern seit Jahrzehnten besteht. Für viele Menschen ist dieser Ort seit vielen Jahren ein fester Lebensmittelpunkt und für uns war der Nußbaumpark fünf Jahre lang jeden Sonntag ein ganz besonderer Teil unserer Arbeit.
Deshalb fiel uns dieser Abschied alles andere als leicht.
Am vergangenen Sonntag haben wir unsere Gäste noch einmal persönlich darüber informiert, dass sie uns ab dem kommenden Sonntag nicht mehr im Nußbaumpark antreffen werden. Wir haben Flyer mit unseren anderen Ausgabestellen verteilt, viele Gespräche geführt und versucht, gemeinsam mit unseren Gästen nach vorne zu schauen.
Es waren sehr persönliche Begegnungen dabei. Menschen, die uns seit Jahren kennen. Menschen, deren Geschichten wir begleiten durften. Menschen, mit denen wir gelacht, diskutiert, gehofft und manchmal auch gemeinsam schwere Momente ausgehalten haben.
Nach fünf Jahren jeden Sonntag einfach die Klappe unseres Transporters zu schließen und zu wissen, dass wir in der kommenden Woche nicht wiederkommen werden, fühlt sich deshalb schon ziemlich komisch an.
Wir verlassen den Nußbaumpark mit einem dicken, weinenden Auge.
Aber Veränderung gehört auch zu unserer Arbeit.
Gerade in unserem Bereich verändern sich Situationen, Bedarfe und Rahmenbedingungen immer wieder. Unsere Aufgabe ist es, darauf zu reagieren und unsere Hilfe so zu organisieren, dass sie auch langfristig zuverlässig bei den Menschen ankommt, die sie benötigen.
Und deshalb ist uns eine Botschaft besonders wichtig:
Die Ausgabestelle verschwindet. Unsere Hilfe nicht.
Wir lassen unsere Gäste selbstverständlich nicht im Stich. Wir hoffen sehr, viele bekannte Gesichter künftig an unseren anderen Ausgabestellen wiederzusehen. Gleichzeitig gehen wir davon aus, dass sich die Menschen, die bisher den Nußbaumpark besucht haben, künftig stärker auf unsere bestehenden Stationen verteilen werden.
Der Nußbaumpark gehörte zu unseren größten Ausgabestellen und entsprechend gespannt sind wir darauf, wie sich die Besucherzahlen an den anderen Standorten in den kommenden Wochen entwickeln werden.
Wir sehen diese Veränderung deshalb nicht nur als Abschied, sondern auch als Chance.
Als Chance, unsere Sonntagsversorgung neu zu strukturieren, Wege und Abläufe zu optimieren und unsere Fahrzeuge, Lebensmittel, Sachspenden und vor allem die wertvolle Zeit unserer ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer noch gezielter einzusetzen.
Denn Verantwortung bedeutet für uns nicht, immer größer zu werden. Verantwortung bedeutet, die richtigen Entscheidungen zur richtigen Zeit zu treffen.
Ab dem 16. August konzentrieren wir unsere Sonntagsversorgung deshalb auf unsere fünf verbleibenden Ausgabestellen. Aktuell werden wir uns bewusst nicht um einen Ersatzstandort für den Nußbaumpark bemühen, sondern zunächst beobachten, wie sich die neue Verteilung entwickelt.
Unser Versprechen bleibt dabei dasselbe:
Wir sind weiterhin jeden Sonntag für die Menschen da, die unsere Unterstützung brauchen.
Danke an alle Brückler, die uns während der vergangenen fünf Jahre Sonntag für Sonntag im Nußbaumpark begleitet haben. Danke für unzählige ausgegebene Mahlzeiten, Lebensmittel, Kleidungsstücke, Hygieneartikel und heiße Tassen Kaffee. Und vor allem Danke für unzählige Begegnungen, Gespräche und Momente, die diesen Ort für uns zu weit mehr als nur einer Ausgabestelle gemacht haben.
Wir bedanken uns bei allen Spenderinnen und Spendern und selbstverständlich auch bei der Stadt München, dem KVR und dem Akim Netzwerk für die Unterstützung und die vielen gemeinsamen und lösungsorientierten Gespräche.
Und auch wenn Abschiede manchmal schwerfallen:
Stillstand war für uns noch nie eine Option.
Wir schauen nach vorne und freuen uns auf die neue Herausforderung. Mit Verantwortung. Mit Weitblick. Und vor allem mit Menschlichkeit.














