
Der vergangene Sonntag begann für uns nicht ganz reibungslos. Unser fertig gepacktes Fahrzeug sprang plötzlich nicht mehr an und stellte uns am Morgen vor eine unerwartete Herausforderung. Doch gemeinsam wurde schnell reagiert, alles umgeladen und mit einem bis unters Dach vollgepackten Ersatzfahrzeug gestartet. Mit etwa einer halben Stunde Verspätung erreichten wir unsere Stationen.
Der Andrang war enorm. Zum Monatsende war deutlich zu spüren, wie knapp es bei vielen geworden ist. Die Schlangen bildeten sich früh und wurden immer länger. Man sah es in den Gesichtern: Der Hunger war groß. Viele erzählten, dass das Geld längst aufgebraucht sei. Umso größer war die Freude über das warme Essen und die reichhaltige Auswahl. Es wurde nichts übrig gelassen.
Die Warteschlangen beim warmen Essen sowie bei Kaffee, Kuchen und Gebäck rissen kaum ab. Trotz des ungemütlichen Wetters warteten alle ruhig und respektvoll. Die Süßigkeiten sorgten für kleine Lichtblicke und hier und da für ein regennasses Lächeln. Obst und Gemüse hätten wir mehr gebraucht, doch durch bewusstes Ausgeben bekam am Ende jeder etwas.
Und dann gab es diesen Moment, der eine unserer Teamkolleginnen nicht mehr loslässt.
Vor ihr stand ein Mann mit einer jungen Frau. Die Frau wollte nichts annehmen, wirkte in sich gekehrt, fast wie erstarrt. Ihr Begleiter jedoch war sichtlich besorgt und packte nach längerer Diskussion mit ihr Lebensmittel für sie ein. Auf behutsame Nachfrage zeigte er schließlich auf ihr Gesicht. Unter ihren Haaren verborgen zeichnete sich ein großes Veilchen ab.
Er erzählte leise, dass sie wenige Tage zuvor von zwei Männern brutal zusammengeschlagen und aufs Schlimmste missbraucht worden sei. Ihr Körper sei grün und blau. Worte, die kaum auszuhalten sind. Worte, die nachhallen. Die wir mit nach Haus nehmen.
Die junge Frau lief davon, bevor wir mehr erfahren oder weitere Hilfe anbieten konnten.
Zurück blieb bei unserer Kollegin ein Gefühl tiefer Ohnmacht. Der Wunsch, beschützen zu können. Eingreifen zu können. Mehr tun zu können. Und gleichzeitig dieses Wissen, dass man in manchen Momenten nur Zeuge von unfassbarem Leid ist.
Solche Begegnungen machen still. Und sie zeigen, wie verletzlich viele unserer Gäste sind.
Trotz allem war es eine friedliche, teilweise sogar heitere Tour. Viele unserer Gäste waren dankbar, manche schenkten uns ein ehrliches Lächeln.
Ein herzliches Dankeschön an alle helfenden Hände im Hintergrund und vor Ort. Ohne Euch wäre das alles nicht möglich.


















